
SPÄTER STANDEN mehrere um etwas, das einmal Wasser gewesen war.
„So geht es nicht weiter“, sagte jemand.
„Gleich viel für alle.“
Das klang nach Ruhe.
Nach einer Linie, die man ziehen konnte.
„Gleich ist nicht gerecht.“
„Und gerecht ist nicht messbar.“
„Doch.“
„Nur, wenn du bereit bist, zu rechnen.“
Ein leises Scharren am Rand.
„Nimm meine.“
Niemand fragte warum.
Es war offensichtlich und unverständlich zugleich.
Ein Schatten zog über den Boden.
„Ihr zerstört, was euch trägt.“
„Wir retten, was noch da ist.“
„Ihr verliert, was noch kommt.“
Die Stimmen begannen, sich zu überlagern.
„Man kann nicht alles fühlen.“
„Man kann nicht alles berechnen.“
„Man kann nicht alles erlauben.“
„Man kann nicht alles retten.“
„Also?“
Niemand antwortete sofort.
„Wir brauchen Regeln.“
„Wir brauchen Gründe.“
„Wir brauchen Mitgefühl.“
„Wir brauchen Überblick.“
„Wir brauchen Zeit.“
Das kam von irgendwoher.
Oder von früher.
Es war nicht klar, wer gesprochen hatte.
„Das war schon einmal so.“
Stille.
„Wann?“
„Bevor ihr gefragt habt.“
„Und?“
„Ihr habt geteilt.“
„Ihr habt entschieden.“
„Ihr habt gehofft.“
Eine Pause, die nicht enden wollte.
„Es hat nicht gereicht.“
Etwas verschob sich.
Nicht im Raum.
In den Sätzen.
Die klaren Linien wurden weich.
Was eben noch wie Gewissheit klang, wurde Vorschlag.
Was wie Logik klang, wurde Möglichkeit.
Was wie Güte klang, wurde Risiko.
Was wie Ordnung klang, wurde Versuch.
„Also machen wir nichts?“
„Doch.“
„Was?“
Niemand wusste es.
Und genau darin lag zum ersten Mal etwas, das fast wie Einigkeit war. Am Rand des Feldes – oder der Mulde, oder des Hofes – zeichneten sich feine Linien im Boden ab.
Als hätte dort einmal Wasser gestanden.
Oder Gedanken.
Oder beides.
Die Stimmen verstummten nicht.
Aber sie wurden vorsichtiger.
Als hätten sie verstanden, dass sie nicht die ersten waren, die gesprochen hatten.

